Freimaurer und Maria Stuart

Maria Stuart

Maria Stuart wurde 1567 gefangen genommen. Als Königin von Schottland mit Ansprüchen auf den englischen Thron war sie eine besondere Gefangene. Sie konnte von Elisabeth I. nicht einfach ermordet werden. In ihrer Gefangenschaft wurde Maria Stuart äußerst gut behandelt, hatte eigenes Personal, konnte Briefe schreiben und Besuch empfangen.

Maria Stuart war dennoch eine konstante Gefahr für Elisabeth I. Da sie Anhängerin des katholischen Glaubens war, hofften Katholiken, dass sich mit Maria als Königin ihre Lage bessert. Einige dieser Katholiken planten einen Putsch und wollten dafür auch die Unterstützung Marias. Zur Kommunikation benutzten sie verschlüsselte Briefe.

Francis Walsingham baute für Elisabeth I. einen der Spionageringe auf. Ihm gelang es Gilbert Gifford, der als Bote Marias fungierte, als einen Doppelagenten anzuwerben. Gifford fertigte Kopien der Korrespondenzen an und gab diese Kopien Walsingham.

Maria Stuarts Chiffre

Auf der entsprechenden Seite von kryptografie.de findet sich die von den Verschwörern verwendete Chiffre.

Von den Verschwörern verwendete Nomenklaur (Quelle). Für Originalgröße die Abbildung klicken.

Bei der Analyse der Chiffre fällt Folgendes auf:

  • Für häufig verwendete Wörter gibt es ein separates Symbol.
  • Es gibt ein Symbol, das anzeigt, dass der folgende Buchstabe doppelt vorkommt.
  • Für das Leerzeichen gibt es drei verschiedene Zeichen.
  • Einige Klartextzeichen werden mit den gleichen Geheimtextzeichen verschlüsselt (u, v, w haben das gleiche Geheimtextzeichen, i und j haben auch das gleiche Geheimtextzeichen).

Wie können solche Chiffren „geknackt“ werden?

Das Brechen von Chiffren wie der Freimaurer-Chiffre und der Maria-Stuart-Chiffre sind nicht besonders schwer, vor allem, wenn viele Texte zur Verfügung stehen.

Wortgrenzen sind verräterisch

Die Wortgrenzen und somit auch die Wortlängen können helfen: Artikel und ähnliche Wörter sind meist kurz und können so einen Hinweis geben, welches Zeichen des Geheimtextalphabets für Buchstaben wie „e“ oder „d“ im Klartext stehen. Deswegen werden die Klartexte ohne Leerzeichen geschrieben.

Häufigkeitsverteilung

Das Vorkommen der Buchstaben ist nicht gleichverteilt, wie diese Statistik zeigt.

Häufigkeitsverteilung der Buchstaben in deutschsprachigen Texten (Quelle)

Durch eine Häufigkeitsanalyse der Buchstaben im Geheimtext kann man so versuchen, ob die Zuordnung zu einigen Klartextbuchstaben Sinn ergibt. Je länger die Texte sind bzw. je öfter die gleiche Chiffre für die Kommunikation eingesetzt werden, desto mehr nährt sich die Häufigkeitsverteilung der angegebenen an, d.h., desto erfolgreicher ist die Zuordnung mittels der Statistik. Als Gedankenstütze für die häufigsten Buchstaben in deutschsprachigen Texten kann man sich das Wort „ENIRSAT“ merken.

Maria Stuarts Ende

Das Schicksal Maria Stuarts ist auch Gegenstand eines Dramas von Friedrich Schiller. Durch ihre Konversation konnte nachgewiesen werden, dass sie sich gegen ihre Cousine Elisabeth I. verschworen hat. Sie und ihre Mitverschwörer wurden zum Tode verurteilt. Genaueres erfahren Sie, wenn Sie zur Babbington-Verschwörung recherchieren.

Auf der nächsten Seite lernen Sie, durch welches Verfahren man die oben besprochenen Schwächen der bisher besprochenen monoalphabetischen Substitutionsverfahren abmindern kann: die Vigènere-Verschlüsselung. Als Passwort benutzen Sie das oben genannte Wort, mit dem man sich die häufigsten Buchstaben in deutschsprachigen Texten merken kann (in Großbuchstaben, ohne Anführungszeichen).