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Entschlüsselung

Zur Erklärung verwenden wir die Dekodierschablone mit dem Kennwort DeinStar von oben. Ein mit dieser Dekodierschablone verschlüsselter Klartext wurde mit einem Schlüssel chiffriert und man erhält den folgenden Geheimtext:

Geheimtext: 50684 92363 045
Schlüssel: 49593 10341 31647

1. Schritt: Chiffrat errechnen

Zur Entschlüsselung des Geheimtexts benutzen wir diese Tabelle.

Tabelle zur Entschlüsselung

Man berechnet die Differenz des Geheimtexts (G) und des Schlüssels (S). Wie es in der dritten Zeile ersichtlich ist, kann das Ergebnis eine positive Zahl (gelb) oder eine negative Zahl sein (rot). Die positiven Ziffern werden unverändert in den Klartext übernommen. Zu den negativen Zahlen wird die 10 addiert und dieses Ergebnis in den Klartext übernommen.

Somit haben wir diesen Klartext errechnet.

1119182022739

2. Schritt: Chiffrat in Buchstaben überführen

Da die Zahlen 1 und 2 nicht vergeben sind, wissen wir, dass wir bei einer 1 oder 2 eine zweistellige Zahl in Buchstaben überführen müssen. Somit kann man das Chiffrat gruppieren als:

11 19 18 20 22 7 3 9

Unter Verwendung dieser Dekodierschablone

erhalten wir die Botschaft.

Entschlüsselung üben

Geheimtext und Schlüssel lauten:

Geheimtext: 24694 72562 46725 62
Schlüssel: 49593 10341 31647 52553 41928 

Überführen Sie nun diese Ziffernfolge in Buchstaben. Benutzen Sie dabei die Dekodierschablone mit dem Kennwort „FriedrichSchiller“. Hier können Sie zur Erinnerung nochmals das Ergebnis sehen:

Das Ergebnis ist der Name eines ehemaligen Bundeskanzlers.

Gebrauch der OTP-Methode

Die OTP-Methode fand während des kalten Krieges Verwendung beim Bundesnachrichtendienst. Auch andere Nachrichtendienste verwendeten diese Methode. In den 1980er Jahren konnte man auf einigen Frequenzen im Radio hören, wie Ziffernfolgen vorgelesen wurden. Ich kann mich erinnern, diese selbst gehört zu haben.

Ein ähnliches Verfahren mit leicht veränderter Dekodierschablone wurde durch Max Christiansen-Clausen verwendet, um Funksprüche für den KGB zu chiffrieren. Clausen arbeitete mit Richard Sorge zusammen, der während des Zweiten Weltkriegs in Japan für die Sowjetunion spionierte. Er konnte u.a. das Angriffsdatum Nazideutschlands auf die Sowjetunion nach Moskau berichten, jedoch glaubte man ihm nicht.

Die Ziffernfolgen zur Verschlüsselung entnahm Clausen dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich aus dem Jahr 1935 (siehe Beispielseite unten). Seite und Anfangszahl wurden dekodiert am Anfang der Nachricht im ersten Fünferblock mitgeteilt. Um der Funkpeilung zu entgehen, wechselte Clausen regelmäßig, teilweise sogar während eines Funkspruchs seinen Standort.

Beispielseite aus dem Statistischen Jahrbuch 1935:

StatJahrbuch1935_683

Die Funksprüche der Sorge-Gruppe konnten von japanischer Seite nicht entschlüsselt werden. Letztendlich wurde die Gruppe im Rahmen einer Polizeiaktion enttarnt, die durchgeführt wurde, weil man Ausländern gegenüber zunehmend skeptisch gegenüberstand.

Ein dem OTP-Verfahren recht ähnliches Verfahren ist die XOR-Verschlüsselung. Als Passwort verwenden wir den Namen des Bundeskanzlers, den Sie oben entschlüsselt haben, wobei Sie den Namen korrekt eingeben müssen. Wäre die Lösung angelamerkel müssten Sie Angela Merkel eingeben.